Journal 16

Willkommen bei Kinder sind Menschen e.V.

Kinder sind Menschen keine Ware, kein Eigentum.

 

Sie haben Rechte.

 

Ein Recht auf Familie! Ein Recht auf Liebe und Fürsorge! Ein Recht auf die eigenen Eltern!

 

Die Wachsamkeit ist gestiegen

 

Die Standardbegründung für die stetig steigenden Inobhutnahmen-Statistiken lautet: „Die Wachsamkeit ist gestiegen, auch in der allgemeinen Bevölkerung.“ Das würde aber bedeuten, dass die Meldungen aus der Bevölkerung (von Nachbarn, Verwandten, Lehrer…) ans Jugendamt in ähnlicher Größenordnung steigen, wie die Inobhutnahmen-Statistiken. Wenn dem so ist, muss sich dies auch in den Statistiken zeigen.

Zu diesem Zwecke haben wir die amtlichen Statistiken von 2011 und 2013 miteinander verglichen und ausgewertet. Wir haben diesen Zeitraum gewählt, weil im Januar 2012 das Kinderschutzgesetz in Kraft trat, welches einschneidende Veränderungen brachte. Unter Anderem die Aufhebung der Schweigepflicht sowie die Einführung des Netzwerks Frühe Hilfe (siehe hierzu Journal Nr.6). Somit war eine Auswertung von vorher/nachher möglich. Zudem wurden in diesem Zeitraum und zuvor, Werbe-Maßnahmen von den Jugendämter durchgeführt.

Ausgewertet wurden die „Statistiken der Kinder und Jugendhilfe Vorläufige Schutzmaßnahmen Liste L3.1“ Quelle: DESTATIS.

 

BW Baden-Württemberg

BY Bayern

BE Berlin

BR Brandenburg

HB Bremen

HH Hamburg

HE Hessen

MV Mecklenburg-Vorpommern

NI Niedersachsen

NW Nordrhein-Westfalen

RP Rheinland-Pfalz

SL Saarland

SA Sachsen

ST Sachsen-Anhalt

SH Schleswig-Holstein

TH Thüringen

 

 

Bild 3 zeigt die Veränderungen in Prozentpunkten. Hier wird bereits deutlich, dass die Steigerungen der Inobhutnahmen auf die gesteigerten Aktivitäten der sozialen Dienste (den Verdienern der Branche) und der Jugendämter zurück zu führen sind.

Keine Frage, die Wachsamkeit in der allgemeinen Bevölkerung ist gestiegen; jedoch nicht so, wie die Strategen der Brache es sich erhofft haben und ihre PR-Leute uns verkaufen wollen. Beamte und Politiker kann man ja vielleicht für Dumm verkaufen, die allgemeine Bevölkerung aber wohl doch nicht. Die große Kampagne mit dem Slogan „Jugendamt, Hilfe die ankommt“ hat auch nicht verhindern können, dass Eltern – die Hilfe benötigen- nicht mehr zum Jugendamt gehen. Ein Rückgang der Statistik „Maßnahme wurde angeregt durch Eltern/Elternteil“ (L3.1 Nr.16) um mehr als ein Viertel, zeigt den Mangel an Vertrauen. Der Bedarf an Hilfe ist gewiss nicht geringer geworden, aber es hat sich wohl herumgesprochen, dass die „Hilfe“ allzu oft eine Herausnahme gegen den Willen der Eltern ist… Das die Hilfe des Jugendamts mitunter eine fragwürdige Angelegenheit ist, hat sich anscheinend auch schon bei den Kinder und Jugendlichen herumgesprochen. Mit Ausnahme von Hamburg, wo die Anzahl der hilfesuchenden Kinder extrem angestiegen ist, haben im Bundesdurchschnitt rund 10% weniger Kinder und Jugendliche den Gang zum Jugendamt gewählt. Ach Nachbarn und Verwandte nehmen in zunehmendem Maße Abstand von schnellen und voreiligen Meldungen ans Jugendamt. Die Statistik ist um stolze 41,2% rückläufig.

 

Mit der Aufhebung der Schweigepflicht für Erzieher und Ärzte (bei vermeintlichen Kindeswohlgefährdungen), durch das Kinderschutzgesetz, hatte man wohl gehofft, dass Erzieher und Ärzte verstärkt als Zuträger fürs Jugendamt auftreten würden. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Mit dem starken Rückgang an Meldungen ans Jugendamt durch diese Berufsgruppen (63,6% bei Lehrern/Erziehern und 40% bei Ärzten) haben diese Berufsgruppen ein deutliches Signal gesetzt. Sie lassen sich nicht zu willigen Helfern der organisierten Familienzerstörung degradieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Trend ist in allen Bundesländern gegeben (Bild 3) In allen Bundesländern hat die Jugendhilfe Branche „Verluste“ hinnehmen müssen. Die rigorose – teilweise brutale Herausnahme-Praxis - beginnt auf die Brache, besonders aber auf die Jugendämter zurückzuschlagen. Weder die Branche, noch die Jugendämter sind aber gewillt diese „Verluste“ hinzunehmen. Unübersehbar ist das zum Teil krampfhafte Bemühen diese „Verluste“ auszugleichen, wie die Auswertung der Zeile 17 (Bild 1 und 2) zeigt.

 

Dies wird hier am Beispiel Rheinland-Pfalz demonstriert (Bild 4).

 

 

Von 2010 auf 2011 mussten nur 3,9% aufgefangen werden, 5,4% Ausgleich reichten aus. In Jahre 2012 konnten die Verluste von 11,1 % mit den 5,4% Eigenleistung nicht ausgeglichen werden. Mit einem Gewaltakt(16,8% Zuwachs) konnte im Jahre 2013 der Eigenleistungs-Anteil von 40.1% auf 62,2% gesteigert und damit der angestrebte Ausgleich erreicht werden. Damit gelang es Rheinland-Pfalz den Platz 3 auf der Rangliste mit Eigenleistungs-Anteil zu erreichen, knapp hinter den Ex-DDR-Ländern Sachsen (63,0%) und dem Spitzenreiter Mecklenburg-Vorpommern (63,4%). Im Bundesdurchschnitt ist der Eigenanteil um ein dritten gestiegen.

 

 

 

 

 

 

Jeder, der auch nur ein bisschen von Statistiken versteht, sieht sofort, dass die Inobhutnahme-Statistik von sozialen Diensten und Jugendämtern aktiv gemanagt wird. Verstehen unsere Politiker nichts von Statistiken oder interessiert sie sich nicht dafür? Oder sind ihnen die Einnahmen einer fragwürdigen Branche etwa wichtiger als das Wohl und die seelische Gesundheit zukünftiger Generationen? (Vergl. Buch „Der Einzelfallmythos“ Kap. Cui bono). Das Märchen von der gestiegenen Wachsamkeit der allgemeinen Bevölkerung – in Bezug auf Kindeswohlgefährdung - als Ursache der ständig steigenden Inobhutnahmen-Statistik, können wir getrost zu den Akten legen; genauso wie das Märchen, dass es dem Jugendamt und der Jugendhilfe ausschließlich um das Wohl der Kinder geht.

Die Wachsamkeit der allgemeinen Bevölkerung, in Bezug auf Kindeswohlgefährdung, nachdem diese in die Obhut des Staates verbannt wurden und während der oft gewaltsamen Herausnahmen, ist aber offensichtlich gestiegen. Mit Sicherheit aber ist das Vertrauen in die Institution Jugendamt bei einem Großteil der Bevölkerung nicht mehr vorhanden.

 

Kinder sind Menschen e.V.